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24. November 2021 / Nummer 21

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Trenzando
Sinp'arispa
Ñañope

Anlaufstellen in Bolivien: 
Sucre - Santa Cruz 

IBAN: CH13 0900 0000 6056 2232 2
Der Schlange die Stirn bieten
(Was Elizabeth Montero im November neben den Beratungen und allem Übrigen auch noch tat)
 
Nicht lange ist es her, dass ich die Foto der liebevoll hergerichteten "mesa" zu "todos santos" erhalten haben. Ein einladendes Frühstück lädt die Seelen der Lieben an Allerheiligen zum Besuch ein. Und bald darauf fuhren sie los...
Elizabeth war mit der Gruppe der Freiwilligen nach Monteagudo gereist. Eigentlich hatte sie die geplante Reise absagen wollen, weil ein Generalstreik die Verkehrsadern zu blockieren drohte und sie fürchtete, die Rückreise nach Sucre in der Nacht auf Montag würde nicht mehr möglich sein, aber die Gruppe der Freiwilligen jungen Frauen liess sich offenbar nicht von den Reiseplänen abbringen. In ihrer kleinen Kasse, mit der sie die Spesen für die Fahrten in Randquartiere oder an sonstige Brennpunkte finanzieren, um Flyer der Anlaufstelle Sinp'arispa zu verteilen und mit Haushaltsarbeiterinnen zu sprechen, war noch etwas Geld. Irene und Urs Lohner hatten es bei ihrem Besuch vor zwei Jahren eigens dafür gespendet, damit die Gruppe doch wieder einmal etwas für sich selbst tun und gemeinsam etwas Schönes erleben könnte. Die Freiwilligen hatten schon seit Jahren gebettelt, Elizabeth möge sie doch einmal zu ihren eigenen Eltern aufs Land mitnehmen, und nun sollte die Busfahrt damit für alle bezahlt werden. Die Vorfreude war riesig und bald fuhr die Gruppe schon von Monteagudo hinaus aufs Land.
Nach einer kurzen Wanderung durch die frühlingsgrüne Landschaft kamen sie bald auf dem Bauernhof von Elizabeths Eltern an. Da viele der jungen Mädchen und Frauen selbst vom Land stammen und vor ihrer Arbeit in der Stadt als Hausarbeiterinnen in ihren Familien oft von der Selbstversorgung gelebt hatten, dürfte ihnen die bäuerliche Umgebung sehr vertraut erschienen sein, obwohl sie meist aus weit höher gelegenen und entsprechen kalten und trockenen Regionen Chuquisacas stammen. 
Melken ist immer ein Höhepunkt bei Monteros. Die frische Milch, ein Luxusprodukt in Bolivien, schmeckt wunderbar und die Melkkünste werden auch gerne gemessen oder weitergegeben. Die Fotos davon wecken viele warme Erinnerungen in mir: Wie oft und wie gerne war ich doch seit dem ersten Mal, Ende der Neunzigerjahre, auf dem Bauernhof in Peñadería bei diesen lieben Menschen! Und wie sehr freue ich mich darauf, bald wieder bei ihnen zu sein!
Natürlich wird auch ein feines Essen gekocht, die Gastgeberin schlachtet ein Hähnchen, das ihre Eltern in ihrer Gastfreundschaft dem lieben Besuch selbstverständlich überlassen, und alle helfen nach Kräften mit.
"Und was hat das nun alles mit der Schlange zu tun?", wollt ihr bestimmt wissen.
Nach dem leckeren Nachtisch mit frisch geernteten Wassermelonen geht es hinunter zum Fluss. Während die einen sich fröhlich im seichten Wasser tummeln, suchen die andern die Uferböschung nach Heilpflanzen ab, die sie mit nach Hause nehmen und trocknen wollen, um sie im richtigen Moment und vor allem bei einer allfälligen COVID-Infektion zur Hand zu haben. Und dabei stossen sie auf eine Giftschlange. Schnell eilt Elizabeth mit der Machete zur Stelle und schafft es mit Hilfe eines jungen Nachbarn, die Schlange zu bändigen und zu töten.
"Hattest du keine Angst?", frage ich sie per Chat aus der Ferne.
"Ach was!", sagt sie, "Schlangen machen mir keine Angst. Man muss einfach aufpassen und sich zu helfen wissen!"

Und die Rückreise im Generalstreik? Bis an den Rand der Stadt Sucre kam der Bus voran und von dort holte schliesslich Elizabeths jüngerer Sohn die Gruppe im Morgengrauen an den Barrikaden vorbei zurück in den Alltag...

Ende gut, alles gut, aber ich hoffe dennoch, dass mir an Weihnachten keine Schlange über den Weg kriecht. Schlangenbändigen gehört nämlich definitiv nicht zu den Primärerfahrungen meiner Herkunftsumgebung. Zu Weihnachten stand bei uns zu Hause das Musizieren im Zentrum, das Backen und natürlich auch der Weihnachtsbaum mit Kerzen und Sternen, der Licht und Hoffnung in die winterliche Dunkelheit brachte...

Wie gut, dass wir uns aus den verschiedenen Kulturkreisen gegenseitig unterstützen können. Jenen Beitrag, der meinen Fähigkeiten entspricht, leiste ich dazu sehr gerne!

Herzlich
Maria Magdalena
"Trenzando" heisst auf spanisch "flechtend". 
"Sinp'arispa", heisst "flechtend" in Quechua, der Sprache der Inka und der bolivianischen Hochtäler. Und "Sinp'arispa" ist der Name der Anlaufstelle für Haushaltsarbeiterinnen in Sucre. "Ñañope" ist jener der Anlaufstelle in Santa Cruz und bedeutet dasselbe in Guaraní, der grössten Tieflandsprache Boliviens. Hausangestellte, oft in jugendlichem Alter oder junge Erwachsene, die weit von ihrem Dorf in die Stadt gekommen sind, um als Haushaltsarbeiterinnen zu arbeiten, werden aus ihrer Isolation herausgeholt, vernetzt, gestärkt und aufgerichtet. Sie helfen sich gegenseitig weiter und flechten Freundschaften.
Und wir in der Ferne sind seit vielen Jahren mit ihnen verbunden. Dafür, dass wir ihre Anlaufstellen finanzieren, sind sie uns unendlich dankbar.
Herzlichen Dank für alle bisher schon eingegangenen Spenden!
Newsletter an Freunde und Bekannte mit der entsprechenden Empfehlung weiterzuleiten, kann noch mehr bewirken! 

Spendenkonto CH13 0900 0000 6056 2232 2


Trägerverein Trenzando
Anlaufstelle für Haushaltsarbeiterinnen in Bolivien
4410 Liestal
Maria Magdalena Moser, Projektleitung
mmm@dienstmaedchen-bolivien.org
www.dienstmaedchen-bolivien.org
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©Trägerverein TRENZANDO 2021

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Trägerverein Anlaufstelle für Dienstmädchen in Bolivien · Postfach · Liestal 4410 · Switzerland

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