29. September 2018 / Nummer 12
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Anlaufstelle für Dienstmädchen
Sinp'arispa
Sucre - Liestal - Reigoldswil
IBAN: CH13 0900 0000 6056 2232 2
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Zwischen Gegensätze gespannt
 
Ende Juni war ich an der Jahreskonferenz der Schweizer Entwicklungszusammenarbeit DEZA in Bern, die unter folgendem Thema stand: "Stadt und Land nachhaltig entwickeln". Die Schweiz kümmert sich im Süden heute vornehmlich um das Thema der Migration in die Städte. Das DEZA hat sich zum Ziel gesetzt, ihr mit Prävention zu begegnen, aber auch mit Unterstützung in Stadtentwicklung und Schadensprävention zu betreiben.

Die Gegensätze zwischen Land und Stadt sind auch in Bolivien enorm. Trotzdem war ich an der Jahreskonferenz doch erstaunt, wie genau wir mit unserem kleinen Projekt seit letztem Jahr in die gleiche Richtung zielen wie das DEZA aktuell weltweit. Mit dem Ausbau der Anlaufstelle für Dienstmädchen durch die Präventionsarbeit, die Ana Gabriela Nina in den kleinen, weit entlegenen Orten von Chuquisaca, dem Departement um Sucre leistet, einerseits - und durch die neue Anlaufstelle Ñañope, wo Daysi Ortiz Schadensprävention in der Grossstadt Santa Cruz betreibt, andererseits. Um so überzeugter bin ich von unseren Neuerungen unter der Direktion der bewährten und erfahrenen Anlaufstelle Sinp'arispa mit Elizabeth Montero in Sucre.

Klimatisch hingegen war der Gegensatz zwischen der Schweiz und Bolivien in den letzten Monaten extrem: Während wir hier im besonders heissen Sommer steckten, war der Winter in Bolivien besonders kalt. Ja, es hat sogar in Gegenden, in denen das sehr selten vorkommt, Schnee gegeben. Aber allmählich kommt dort der Frühling und hier der Herbst...

In den weit entlegenen Provinzen erwarten die jungen Mädchen in den Internaten den Besuch von Ana Gabriela mit Ungeduld. Längst haben sie Vertrauen gefasst. Sie freuen sich auf die Abwechslung im Schulalltag, auf die Kurse und Gespräche, in denen Themen zur Sprache kommen, die sie dringend beschäftigen: Was muss ich können, um in die Stadt reisen und Geld als Dienstmädchen verdienen zu können? Ana Gabriela und Elizabeth, die sie kürzlich begleitete, geht es aber um viel mehr: Die Mädchen vor Ausbeutung und Gefahren warnen, ihnen bewusst machen, dass nicht alles, was glänzt, Gold ist. Menschenhandel ist eine enorme Gefahr in Bolivien. Und sie wächst offenbar sogar noch extrem an: In den letzten Monaten häufen sich Vermisstmeldungen von Kindern, Jugendlichen und jungen Frauen. Immerhin nimmt die Gesellschaft allmählich Kenntnis von der Problematik. Aber die wenigsten Vermissten werden gefunden. Prostitution und Organhandel blühen in weit herum unkontrollierten und korrupten Strukturen. Die Präventionsaufgabe ist riesig.

Natürlich kann unser kleines Projekt auch hierin nur ein winziger Tropfen auf einen heissen Stein sein. Aber es macht Sinn, die Menschen in den Provinzen vor dem Wegzug in die Stadt zu informieren, insbesondere Frauen, und erst recht, wenn sie minderjährig sind. In den Kursen in Provinzorten werden Rechte und Pflichten von Hausangestellten und von Minderjährigen ausführlich angeschaut und anhand konkreter Beispiele erklärt. Wo selbst Menschenrechte noch nicht bekannt sind, ist das schon ein grosser Schritt. Und ganz wichtig ist auch, den Mädchen in den Internaten und ihren Familien eine Adresse in die Hand zu geben: Dass sie jetzt schon einen Ort kennen, wo sie Hilfe erhalten, wenn sie unsicher sind, eine Stelle, an die sie sich wenden können, wenn sie Probleme haben oder besser schon, wenn sie Schwierigkeiten auf sich zukommen sehen. Eine Adresse, wo sie stranden können, am besten längst bevor Probleme auftauchen, die sie an Stellen vermittelt und die Anstellung begleitet, und die sie an andere weitergeben können.

Auch in den entlegenen Stadtquartieren ist es wichtig, dass jemand kommt, die jungen Frauen aufsucht und ihnen Information und Hilfe anbietet. Oft sind nicht nur die Lebensbedingungen, sondern auch die Arbeitsverhältnisse hier sehr viel prekärer als in zentraleren Quartieren. Wo die Not besonders gross ist, ist der Schritt zur Ausbeutung besonders klein.

Wo das Internet noch kaum zum Suchen eingesetzt wird, ist das Bringen von Information und das handfeste Überreichen von Adressen eine Schlüsselaufgabe für die erfolgreiche Arbeit von Hilfsorganisationen. Was tun aber, damit die Adresse tatsächlich greifbar bleibt? Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, haben wir bei einer Druckerei in Sucre nach Jahren endlich einen neuen Stock von Druckwaren in Auftrag gegeben. Nach monatelanger Vorarbeit waren die wunderschönen Druckarbeiten im August endlich fertig. - Die Gegensätze zwischen unseren Qualitätsvorstellungen und den örtlichen Gepflogenheiten waren beträchtlich, die Planung über den Ozean hin aufreibend und ohne den tatkräftigen Einsatz unseres Sohnes Rafael hätten wir es nie geschafft. Mit Fotos des Schweizer Fotografen Luca Zanetti und kurzen, wirkungsvollen Texten dienen sie nun in ansprechenden Formaten zur Verbreitung des Wissens um die Rechte von Hausangestellten in Bolivien und halten den Hilfesuchenden die Adressen bereit. Es sind Flyer, Plakate, Visitenkarten und als Highlight ein Notizheft mit einzelnen farbigen Fotoseiten mit ermunternden Texten, auf der Rückseite die Adressen der Anlaufstellen in Sucre und Santa Cruz. 






   Deine Arbeit besitzt Würde!

 









An der Jahreskonferenz des DEZA wurde die Stossrichtung unserer Arbeit in Bolivien bestätigt.




Auf dem Weg in den fernen Provinzort San Lucas haben Elizabeth und Ana Gabriela den Tagesanbruch fotografiert.



Auf's Land zu reisen ist aufreibend und fordert Geduld und Gottvertrauen. Gut, wenn man sich dabei beschützt (=protegido) fühlt.



Die Erklärungen von Elizabeth mit ihrem grossen Erfahrungsreichtum stimmen die Mädchen im Internat nachdenklich.


Mädchen und Frauen in entlegenen Quartieren aufzusuchen und sich um sie zu kümmern, ist eine wichtige Aufgabe der Präventionsarbeit



Die neuen Druckwaren begeistern alle gleichermassen: Mitarbeiterinnen, Freiwillige und junge Dienstmädchen











Weben und Stricken allein genügt nicht mehr, um das Leben heute in Bolivien zu meistern. Um den sich rasch ändernden Realitäten in den bolivianischen Städten zu begegnen bedarf es zunächst einmal einer gut verständlichen Information. Wir sind froh, dass die Stiftung Treveris dem Rechnung trägt und Ana Gabriela regelmässig in die Internate einlädt. Die Mädchen schätzen ihre Kurse und die Gespräche mit ihr sehr.
"Sinp'arispa", heisst die gut funktionierende und schon weit herum bekannte Anlaufstelle für Dienstmädchen; das bedeutet in Quechua "flechtend". Dienstmädchen werden aus ihrer Isolation herausgeholt, vernetzt, gestärkt und aufgerichtet. Sie helfen sich gegenseitig weiter und flechten Freundschaften. Die neue Zweigstelle in Santa Cruz heisst "lasst uns flechten" in Guaraní: "Ñañope"
Herzlichen Dank für alle bisher schon eingegangenen Spenden!
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Trägerverein Anlaufstelle für Dienstmädchen in Bolivien
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