Dienstag, 22. Januar. Ich bin gestern gut in Sucre angekommen und
werde nun hier meinen ersten Bericht über meine Reise schreiben:

Nachdem ich am 17.Januar schlussendlich mit dem Zug am Frankfurter Flughafen angekommen bin, erwartet mich dort die einzige grössere Enttäuschung dieser doch sehr gelungenen Reise. Am Gate des Fluges nach Santo Domingo, Panama wartete ein Angestellter, der mit einer Wage und deutscher Genauigkeit das Handgepäck kontrollierte und alles, was mehr als 6 kg wog, emotionslos in den Abfall warf. Auch ich verlor, wie mindestens die Hälfte aller Passagiere, kiloweise Schokolade und Sporttrickots. So war die Stimmung im Flugzeug dann ziemlich aufgebracht, nur die wenigen Deutschen blieben ruhig, sei es, dass sie die zahlreichen deutschlandkritischen Bemerkungen wegen sprachlichen Problemen nicht verstanden oder sei es, dass sie ein sehr gutes Pokerface hatten.

Während meinen zehn Stunden Aufenthalt in Panama City, nutzte ich Zeit um mir kurz die Stadt anzusehen, die mir von meiner kolumbianischen Sitznachbarin, welche im Süden Russlands studierte, bereits als Miami Mittelamerikas vorgestellt wurde. Nachdem sich der Zöllner eine der verbliebenen Tafeln Schokolade "schenken" lies, stellte auch das Visum kein Problem dar. Die Stadt selber war dann auch sehr farbig und lebendig (und nach dem furchtbarsten Flugzeugessen meines Lebens, genoss ich das Backofenhähnchen mit seinen leckeren Beilagen sehr), dieser kurze Besuch war auf jeden Fall all seine Mühen wert.

Um Mitternacht des 18. Januar (Ortszeit) bin ich schlussendlich in der Stadt von Santa Cruz de la Sierra angekommen. Ich bin dort in einem guten Hotel nicht weit von der Stadtmitte entfernt abgestiegen, das sogar einen Swimmingpool besass, von dessen Benutzung ich dann aber abgesehen habe, da er voller Bau- und sonstigen Abfällen war. Ich bin zwei Tage in Santa Cruz geblieben, eine Zeit, die ich wirklich sehr genossen habe. Das Wetter war sehr warm und das Essen sehr gut. Die Plaza hatte zusätzlich zu den normalen Sitzbänken, neue und modern designte Sitzgelegenheiten bekommen, auf welche sich aber fast niemand setzte; auch für meinem Geschmack wurde offenbar bei der Bequemlichkeit und dem Sitzkomfort gespart. Am Samstagabend gab es einen vorfasnächtlichen Umzug der bereits sehr spektakulär war, die verschiedenen Cliquen stellten sich mit Musik und Tanz vor, es gab eine Feuerwerkshow und Daniela, die Reina del Carnaval cruceño, wurde auf einem komplett golden geschmückten Traktoranhänger mit einem Kleid mit ca. 20 Paar, rund auf dem Rock angenähten, goldenen Schuhen durch die Stadt gezogen.

Am Sonntagabend, dem 20. Januar, nahm ich, nachdem ich in der Zeitung von einem tödlichen Crash eines Busses und eines Lastwagen auf dieser Strecke gelesen habe, dann dennoch den Nachtbus nach Sucre. Diese Reise verlief ereignislos und es gibt nichts Spezielles zu erwähnen; abgesehen von der extrem unebenen Strasse, von einem Radwechsel, einmal stundenlangen Warten auf Besserung des Wetters, um dann trotzdem noch im Schlamm steckenzubleiben, dem darauffolgenden Schieben und den, auf das Schieben folgenden, mit Schlamm umhüllten Hosen und Schuhen, und abgesehen von insgesamt 7 Stunden Verspätung bei der Ankunft. In Sucre war es dann leider vorbei mit warmem Wetter, aber heute scheint doch wenigstens wieder die Sonne. Die Stadt selber hat sich in den letzten fünf Jahren fast nicht verändert, abgesehen von zwei neuen Überführungen und davon, dass die ehemalige Fussgängerzone wieder in eine normal befahrene Strasse verwandelt wurde, ist mir bis jetzt keine Veränderung aufgefallen.

Am Montagabend fand dann die Sitzung des Direktoriums statt, an der über die Ausgaben der letzten Jahre und das Budget fürs 2013 diskutiert wurde. Die anwesenden Mitglieder freuten sich sehr über die von mir überbrachten Geschenke und über eine sehr feine Suppe und Buñuelos von Doña Margarita. Von Elizabeth, Freddy und ihren beiden Söhnen wurde ich sehr herzlich willkommen geheissen und es war mir, wie auch ihnen, als ob es erst gestern gewesen war, dass ich Sucre zusammen mit meiner Familie verlassen hatte. Ich fühle mich jetzt schon sehr wohl hier und ich bin mir sicher, dass diese Zeit hier eine sehr glückliche und voller neuer Erfahrungen für mich sein wird, so wie ich aber auch sicher bin, dass die Anlaufstelle von meiner Anwesenheit profitieren kann.