Reise nach La Paz, Arica (Chile)und Santa Cruz
im Januar/Februar 2008 (19.03.08)

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mineros.jpgAnfangs Januar sind wir Mosers losgereist, mit mulmigem Gefuehl zwar, aber doch auch sehr froh um die dringend nötige Distanz und Erhohlung. Zuerst ging es in Richtung La Paz, denn dort wollten wir mit der Beauftragten des Schweizerischen Arbeiterhilfswerks (SAH) die verzwickte Situation mit der Gewerkschaft besprechen. Das SAH unterstützt die Gewerkschaften der Hausangestellen und ihren Föderationsverband seit vielen Jahren und verfügt dadurch über viel Erfahrung in diesem Bereich. Auf dem Weg nach La Paz legten wir am Wochenende aber doch noch eine Pause in Potosí ein, der legendären Silberminen-Stadt. Der Besuch einer heute immer noch für Zink betriebenen Mine hat uns alle beeindruckt. Die vorindustriellen Arbeitsmethoden – die SUVA würde ohnmächtig – die ganz eigentümliche Kultur der Mineros und überhaupt die Welt im Inneren des ehemals reichsten Bergs der Welt auf über 4'200 m. ü. M. lässt keinen Besuchenden unberührt. Und die kleine Dynamit-Vorführung zuletzt war trotz des kalten Nieselregens ein weiterer Höhepunkt, besonders für das jugendliche Forscherteam.

vicunas.jpgVon La Paz aus ging unsere Reise quer durchs Altiplano an die chilenische Küste hinunter. Nachdem wir schliesslich die gerade errichtete Strassensperre der „camioneros“ wider Erwarten doch noch passierten, konnten wir in Gedanken dem Gespräch mit Renate Hofmann vom SAH nachhängen und unsere ersten Schlüsse daraus ziehen. Sie hatte uns geraten, uns auf keinen Fall von der Gewerkschaft in weitere Auseinandersetzungen verwickeln zu lassen und zu diesem Zweck in allen heiklen Punkten nachzugeben. Das bedeutete also auch, den Begriff "Dienstmädchen" aus dem Namen der Anlaufstelle zu entfernen.

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Die immer rauhere, eindrückliche Landschaft bis hinauf zum Grenzpass auf 4'700 m. ü. M. bot uns einen grossartigen Ausgleich zu den besorgten Gedanken. Als wir sogar die Grenzformalitäten ohne weitere Probleme in weniger als zwei Stunden erledigt hatten, wurde die Stimmung entspannter, und wir genossen den Anblick der vielen Flamingos und der sich nun in raschem Tempo veränderden Gegend an der steilen Strasse, die uns in nur 150 km von den Andenhöhen zum Meer hinunter brachte.

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Die, Wüstenlandschaft die den gesamten Norden Chiles prägt, wurde immer karger und beherbergte nur noch Kandelaberkakteen, bis sie schliesslich eine absolute Sand- und Steinwüste war. Kein Tropfen Wasser in den Bachbetten, kein Blatt und kein Ton. Nur in der Ferne eine Salpetermine. Alte Reifen boten die einzige Abwechslung.

flussoase.jpgEndlich lag vor unseren Augen, wie aus dem Nichts erschienen, eine der Flussoasen um Arica. Welche Bedeutung das Grün für die Seele hat! Und ausserdem die schwere und feuchtere Luft auf Meereshöhe. Endlich Ferien!

mit_francisco.jpgEine Woche verbrachten wir in Arica, zusammen mit unserem langjährigen Freund Francisco, der mit einem jungen kolumbianischen Missionskollegen aus seinem Heimaturlaub aus Santiago de Chile angereist war. Endlich konnten wir ausführlich von ihm erfahren, wie es ihm in den fast 7 Jahren, während derer wir uns nicht mehr gesehen hatten, in der Arbeit mit der Bethlehem Mission Immensee im kolumbianischen Bürger- kriegsgebiet gegangen war. Die Sorgen in Sucre erschienen uns daneben trotz der Sorgen des SAH als Bagatelle.

In ruhigen Abendstunden dachten wir zusammen mit Francisco auch über Wege nach, die wir in Sucre einschlagen konnten. Francisco hatte früher mehrere Jahre in führender Position einer heilpädagogischen Institution in Sucre gearbeitet und kannte die Tücken der Kämpfe mit Neidern in diesem Umfeld aus härtester eigener Erfahrung. Francisco riet uns, uns um die direkte Unterstützung des Erzbischofs für unsere Anlaufstelle zu bemühen.

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Gestärkt und erhohlt fuhren wir eine Woche später wieder in die Andenhöhen hinauf und holten am 17. Jan. am Flughafen von La Paz meine Mutter ab. Gemeinsam mit der unermüdlichen Oma reisten wir an den Titicacasee, fuhren zur Sonneninsel und liessen unseren kleinen Reisetrupp entsprechend dem Brauch des Pilgerortes am Sonntag in Copacabana segnen.

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In langen Reisestunden fuhren wir schliesslich wieder zurück nach Sucre, wo wir gleich mit neuen Kräften wieder anpackten: Ein Konzert zur Einweihung des kleinen Saals galt es zu organisieren – und zu diesem Zweck erst mal dafür zu Sorgen, dass der Saal fertig wurde. Wenn er auch schliesslich am Konzerttag doch noch über keine Türen verfügte, so konnte das die wunderbare Stimmung auch nicht trüben. (Siehe Bericht „Konzert“)

kolonialkapelle_bei_potosi.jpgUnd die Gerwerkschaft nahm die Mitteilung, dass wir auf die Bezeichnung Dienstmädchen („Trabajadoras del Hogar“) verzichteten, hocherfreut entgegen. Die Anlaufstelle heisst nun "Sinp'arispa - al servicio de las mujeres migrantes".

reisen_in_regenzeit.jpgNach dem erfolgreichen Konzert hiess es wieder losfahren: diesmal auf ungepflasterten Strassen nach Santa Cruz, von wo der Flug meiner Mutter am 15. Feb. los ging. Mit dieser Fahrt hatten wir aufgrund der extremen Regenfälle weniger Glück: Wir mussten nach 7 Stunden einsehen, dass der Weg doch zu schlecht und gefährlich war, und rechtsumkehrt nach Sucre zurückfahren, um einen anderen Weg ins Tiefland einzuschlagen. Zum Glück hatten wir genug Zeit für solche und ähnliche Zwischenfälle eingeplant, so dass wir meine Mutter nach einigen Tagen und weiteren schönen Erlebnissen rechtzeitig auf ihren Flug bringen konnten.

in_santa_cruz.jpgErfahrungen machen klug: Für die Rückfahrt nach Sucre schlugen wir widerum einen anderen Weg ein und erreichten unsere neue Wahlheimat nach wenigen Tagen und sogar mit dem Gefühl von Erholung!

sajama.jpg
 
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