Hallo....

Seit meinem letzten Bericht ist hier viel passiert, einen Teil davon werde ich nun in meinem vierten Bericht zusammenfassen. Nach dem Abschluss der Vertrags-Arbeiten unseres Maurers bin ich tagelang mit den erfolglosen Versuchen, Geld abzuheben beschäftigt gewesen, glücklicherweise konnte ich mir Geld pumpen und somit Don Teofilo bezahlen, so dass dieser Teil meines Auftrages erledigt ist. Die Gebäude sind nun in einem Zustand in dem eine sichere und einwandfreie Nutzung für die nächsten Jahre gesichert ist. Ich selber bin zurzeit mit kleineren Arbeiten zur Verbesserung sowohl der Nachhaltigkeit wie auch der Ästhetik der Räume beschäftigt, unter anderem der Befestigung weiterer Sockelsteine an den äusseren Wänden, einem Dächlein über dem Garagentor, der Versiegelung von der abgrenzenden Mauern, etc. Zweifellos gibt es genug zu tun, so steht z.B. die Neulackierung der gesamten Holztüren und Fenster noch an, welche leider sehr stark unter der Höhensonne und den starken Regenschauern von Sucre leiden.

Memory spielen Yhunior Geburtstag

Ansonsten geht alles seinen normalen Gang; das renovierte Notschlafzimmer ist bereits wieder in regem Betrieb. So hat es zum Beispiel einem dreizehnjährigen Mädchen aus dem Departement von Potosi während eineinhalb Wochen als Unterkunft gedient, bis ihr eine neue Arbeitsstelle gefunden werden konnte. Während ihres Aufenthalts hat sie, zusammen mit Elis Söhnen, den Garten und die Natur der Anlaufstelle intensiv genossen, bis sie eines Tages vom Feigenbaum stürzte und mit einem glücklicherweise nur verstauchten Arm im Spital landete. Allen Involvierten, mir inklusive, tut der grosse Garten aber extrem gut, denn er ist wirklich eine Oase der Erholung in der doch ziemlich öden städtischer Umgebung von Sucre; er ist sicher auch einer der Hauptgründe für die Anwesenheit vieler der Dienstmädchen an den Sonntagen. Neben dem immer noch sehr populären Memoryspielen haben wir diesen Monat auch den neunten Geburtstag von Yhunior gefeiert. Den Kopf des Geburtstagskindes zur grossen Freude aller in den Kuchen zu drücken, gehört obligatorisch zu jedem Geburtstag dazu.

landschaft Unterwegs

Über Ostern bin ich zusammen mit Elisabeths Familie nach Chile gereist, denn um die inzwischen horrenden Kosten für eine Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung zu vermeiden, musste ich das Land verlassen und neu einreisen. Die Spontaneität von Elisabeth und Freddy ist bemerkenswert, denn die Idee, alle zusammen zu verreisen, kam uns erst am Vorabend. Trotz Bedenken von anderen Seiten reisten wir am Gründonnerstag also mit dem Taxi von Freddy ab, welches sich denn auch dem Vertrauen würdig erwies, das wir in es setzten, indem es die lange Reise problemlos überstand. Die Länge der Reise machte uns aber zu schaffen: Obwohl wir das Auto nach bolivianischem Ausdruck „zu fliegen machten“, dauerte die Hinfahrt 20 Stunden. Die eisige Kälte der Nacht auf dem Altiplano wurde in Chile von der starken Hitze der kargsten Wüste der Welt abgelöst. Die Einstellung von Eli, dass es absolut logisch und nicht verwerflich sei, dass die bolivianischen Soldaten sich an der Fasnacht von Oruro betranken, anstelle dieses Land im Krieg gegen Chile zu verteidigen, und dass Chile diese Ödnis gerne behalten möge, verflog aber beim Anblick des Meeres schnell wieder.

Auf einer Mohle Baden im Meer

Abgesehen von den Stränden von Arica und einer Partie Gokart, profitierten wir von den immensen Baumärkten und den tiefen Preisen für importierte Artikel: So kaufte ich eine neue Wasserpumpe für den Ziehbrunnen der Anlaufstelle und viele weitere Sachen für die Hälfte oder weniger der bolivianischen Preise. Am Sonntag mussten wir leider schon wieder die Rückreise antreten um für den Schulbeginn am Ostermontag wieder in Sucre zu sein. Es brauchte allerdings davor einen beträchtlichen Aufwand an Kraft und Zeit, Fernando und Yhunior wieder aus dem Meer zu kriegen. An der Grenze kassierte ich einen grossen Rüffel, denn an die sonderbare Einrichtung von Sicherheitsgurten hatte ich nach 3 Monaten in Bolivien nicht mehr gedacht.

Auf der Rückfahrt träumten sowohl Eli als auch ihre Söhne bereits vom Meer, während Freddy und ich das Auto zurück nach Sucre flogen. Trotz der mitgebrachten Meerwasserflasche konnten in Sucre dann aber nur wenige glauben, dass das Meer so salzig ist und dass es sogar noch grösser als der Titicacasee sein soll.

Fredis Taxi

Für den siebten April organisierten wir dann die geplante Reise zu den Thermalquellen in Potosi. Dummerweise erfuhren wir am Vorabend, dass dieser Sonntag der Tag des Fussgängers sein werde und somit die Strassen gesperrt sein würden, also beschlossen wir um 6 Uhr morgens, vor der Sperrung, aufzubrechen. Der Chauffeur des gemieteten Busses kehrte aber leider auch um 7 Uhr morgens immer noch nicht mit dem Busschlüssel aus dem Ausgang zurück. So brachen wir erst nachdem ein Ersatzschlüssel in der Gewerkschaft gefunden wurde auf; glücklicherweise konnten wir die Stadt trotzdem noch verlassen. Während der Strecke, als ich den Bus fuhr, genoss ich den fast vergessenen Luxus, auch aufrecht sitzend die Strasse zu sehen und nicht nur die ästhetisch sehr überzeugenden Stickers der Windschutzscheibe von Freddys Taxi.

Alle hatten wir in den Thermalbädern viel Spass, die Hälfte die schwimmen konnte, versuchte der anderen Hälfte mit mässigem Erfolg aber mit viel Gelächter ein paar Tipps zu geben. Mit dem Plastikball zu spielen fesselte uns alle, leider waren wir als Männermannschaft, obwohl wir noch andere Gäste einbezogen, an der Zahl stark unterlegen. Viel zu früh mussten wir leider wieder aufbrechen, trotzdem wird uns allen dieser Ausflug sicher sehr positiv in Erinnerung bleiben.

Baden im Thermalbad Thermalbad Umkleideraum

In Sucre selber gibt es zur Zeit wieder mal grosse Demonstrationen und Proteste, dieses Mal von der Universität, welche der Stadtregierung vorwirft, ihre Gelder unterschlagen zu haben. Die Strassen sind somit immer wieder blockiert, was viele stört, aber Elis Schwester ist sehr froh, denn dadurch werden ihre Trimesterprüfungen aufgeschoben. (Dies ist sicherlich auch der Hauptgrund für das grosse Engagement der Studenten bei diesen Protesten...) Ich schliesse diesen Bericht hier ab in der Hoffnung, dass meine verbleibende Zeit in der Anlaufstelle weiterhin so gut verläuft wie die bisherige.