Lachen in Sinp’arispa (14.04.08)

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Die Startphase der Anlaufstelle mit unserer direkten Mitarbeit hier in Sucre geht allmählich dem Ende zu. Um so glücklicher sind wir, die Anlaufstelle auf solidem Boden wachsen zu sehen. Natürlich gilt es, nun vieles noch fertigzustellen und auf den Weg zu begleiten. Aber im Wesentlichen steht die Anlaufstelle Sinp’arispa.

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Sinp’arispa wird heute immer wieder von neuen Dienstmädchen besucht, die sich zur Kerngruppe der treusten Besucherinnen gesellen. Für einige ist die Anlaufstelle bereits zum Zuhause geworden. Marcela, zum Beispiel, findet hier den Familienersatz, der für das 18-jährige Mädchen wichtig ist.

Im Abstand von einem Jahr hat Marcela beide Eltern verloren und ist darauf als Dreizehnjährige allein nach Sucre gekommen, um sich mit der Arbeit als Dienstmädchen durchzubringen. Ihre Geschwister weit weg bieten ihr auch heute keine Unterstützung. Am Wochenende ist Marcela seit Anfang Jahr immer hier, fröhlich, mit steigendem Selbstvertrauen und für alles zu begeistern, so auch einen gemeinsamen Ausflug aufs Land im März.

Die Anlaufstelle Sinp’arispa bietet nebst Freizeitgestaltung in erster Linie Beratung und Begleitung an. Meist kommen die Dienstmädchen abends oder am Sonntag vorbei, erzählen von ihren Schwierigkeiten oder fragen nach Rat. Oft möchten sie auch einfach ein paar unbeschwerte Stunden erleben oder ein Fest wie Weihnachten gemeinsam mit ihresgleichen feiern. Manchmal stehen sie aber auch auf der Strasse und sind auf die Notschlafgelegenheit der Anlaufstelle angewiesen (Vgl. Bericht Marta Martinez).

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In Sachen Freizeitgestaltung ist zur Zeit das Fussballspielen der grosse Renner. Mit Enthusiasmus wird jeweils samstags trainiert und sonntags am Turnier der Bäckergewerkschaft teilgenommen. Dass unsere Damenmannschaft noch nicht auf höchstem Niveau ist, spielt dabei keine Rolle. Auch eine Herrenmannschaft hat Sinp’arispa aufgestellt, in der Leo und drei Mitglieder des Aufsichtsrats, unsere grossen Söhne Manuel und Rafael und zwei Freunde dabei sind. Das Spiel ist auch für mich als „Fan“ ein grosser Spass. Nicht nur für diese Gelegenheiten backen wir regelmässig – einige Dienstmädchen können nun schon Schweizer Zopf und Marmorkuchen backen und sind stolz darauf. Samstagabends und sonntagnachmittags trinken jeweils zusammen Tee und machen Spiele.

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Es macht uns tief glücklich, das Strahlen in den Augen derer leuchten zu sehen, von denen wir wissen, dass sie alle schweres durchgemacht haben oder im Alltag immer noch erleben. Die Stunden der Unbeschwertheit, des Glücks, des Zuhauseseins. Die Gewissheit, einen neuen Ort der Zuversicht gefunden zu haben. Es gibt keine schönere Belohnung unserer täglichen Arbeit. Dass gestern ein Mädchen fast weinte, weil sie doch zu der Familie ihrer Arbeit zuräuckmusste und den Sonntag nicht in Sinp’arispa verbringen durfte, machte auch uns sehr traurig. In allen Dingen ist eben Geduld gefragt. Wir haben ihr aber versprochen, dafür zu sorgen, dass sie in Zukunft bleiben darf.

team.jpgManchmal begleitet unsere Juristin Elizabeth Montero auch Hausangestellte zu ihrer Arbeit und fordert den fälligen Lohn ein. Lässt sich diese Frage nicht gütlich regeln, werden die Arbeitgebenden aufs Arbeitsamt zitiert, wo sie zur Kasse gebeten werden. Immer wieder helfen wir bei der Suche nach einer würdigeren Arbeitsstelle, beraten sowohl Dienstmädchen wie auch ArbeitgeberInnen im Hinblick auf die Rechte von Hausarbeiterinnen und fragen später immer wieder nach.

Nicht selten auch brauchen Dienstmädchen Hilfe, um mit der schulischen Bildung weiterzukommen, oder Beratung zu möglichen Ausbildungszielen. Entwickeln sie erst einmal Zukunftsperspektiven, öffnet sich meist ein Weg zur Verbesserung der Lebensqualität. Manchmal liegen die Probleme auch auf der Ebene der bolivianischen Bürokratie – es kann eine schier unüberwindbare Hürde bedeuten, eine Identitätskarte oder einen Taufschein machen zu lassen. Auch hier hilft die Anlaufstelle nach Kräften. Oder auch beim Weg zu einer ärztlichen Behandlung. Und immer wieder schneiden wir Themen wie Aids und Schwangerschaftsverhütung an. All diese Dinge dienen dem einen und wichtigsten Ziel der Verbesserung der Lebensqualität: Einen würdigen Alltag zu haben, Freude zu erleben und zu sich selbst zu finden.

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