Jahresbericht Anlaufstelle für Dienstmädchen Sinp’arispa 2013/14

Die Anlaufstelle für Dienstmädchen Sinp’arispa kann auf ein sehr erfolgreiches Jahr zurückblicken. Sie konnte auch dieses Jahr wieder vielen Dienstmädchen in den unterschiedlichsten Situationen helfen, sei es beim Einfordern von geschuldeten Lohnzahlungen, Beratungen bei schulischen oder gesundheitlichen Problemen oder einfach nur durch ein freundliches, umsorgendes Umfeld. Viele Dienstmädchen konnten wiederum von dem umfangreichen Unterstützungsangebot profitieren und haben ihre Rechte kennen- und einfordern gelernt.
Das Wichtigste, was durch die Arbeit in Sinp’arispa entstanden ist und weiter wächst, lässt sich nicht durch die Zahlen ausdrücken. Es ist ein soziales Netz, das zwischen den Dienstmädchen selber wächst und immer feinmaschiger und wirksamer wird und aus dem Wunsch entspringt, die selbst in der Anlaufstelle erlebte Achtung und Solidarität an andere, schutzlosere und bedürftigere Dienstmädchen weiterzugeben.

 

Diese menschliche Komponente ist für viele Dienstmädchen, die oft einsam sind weil Familie und Freunde auf dem Land leben, das wichtigste. Die Anlaufstelle feiert ihre Geburtstage, Weihnachten und andere Feste mit ihnen, und sie bekommen so das Gefühl, nicht mehr alleine in der Stadt zu sein, weil sie sehen, dass viele andere mit denselben Problemen zu kämpfen haben wie sie.

 

 

Besonders erfreulich ist die Tatsache, dass immer mehr neue Schwerpunktgebiete ins Engagement der Anlaufstelle aufgenommen werden, die von den aktuellen Bedürfnissen der Dienstmädchen ausgehen. Immer häufiger kommen Dienstmädchen mit eigenen Ideen auf die Leiterin der Anlaufstelle, Elizabeth Montero zu. So ist zum Beispiel auch ein Nachhilfearrangement entstanden: Aus der Überlegung heraus, dass Nachhilfeunterricht bezahlbar wird, wenn er in einer Gruppe veranstaltet wird, hat sich ein Mathematikkurs herausgebildet, bei dem die Anlaufstelle einen Nachhilfelehrer vermittelt hat und die Räumlichkeiten zur Verfügung stellt, der Nachhilfelehrer jedoch von den Initiantinnen selbst bezahlt wird. Auch das im vergangenen Jahr neue entstandene Angebot der Computerbenützung und der Anleitung dabei beruht auf der Bitte der Dienstmädchen, in ihrer schulischen Bildung von der Anlaufstelle unterstützt zu werden.

 

Aber auch die Mitarbeitenden der Anlaufstelle legen immer mehr eigene, neue Schwerpunkte. So wurde im letzten Jahr der Situation der jungen, meist jugendlichen Mütter unter den Dienstmädchen besondere Beachtung geschenkt. Diese stehen vor ganz besonders grossen Schwierigkeiten und bedürfen erst recht der Unterstützung. Eine dieser jungen Mütter, die von der Anlaufstelle gestärkt werden, hat im vergangenen Jahr ihr Maturitätsdiplom entgegennehmen dürfen!

 

 

Auch im vergangenen Jahr wurden an Sonntagen auch wieder Kurse angeboten. Dem Bedürfnis entsprechend wieder über das sexuelle Selbstbestimmungsrecht, über Verhütungsmethoden und sexuell übertragbare Krankheiten; dieses Jahr aber auch über Recycling und die Bedeutung des Wassers, bei dessen sorgsamer Verwendung Dienstmädchen eine wichtige Rolle spielen. In diesem Zusammenhang wurde auch eine Reise nach Poroma unternommen, um von der sehr armen Bevölkerung dieses Orts zu lernen, mit welchen Methoden das dort so wenige Wasser effizient gesammelt und verwendet werden kann. Zusätzlich zum Input in Sachen Umwelt und Wasser erweiterten die Teilnehmerinnen dadurch ihren Horizont durch die Reise, das Kennenlernen einer entfernten Gemeinde und der Möglichkeiten, die aus Respekt und Gemeinschaftsorganisation entstehen. Auch nach La Paz reiste eine Delegation der Anlaufstelle, um sich in Sachen Umwelterziehung weiterbilden zu lassen und die eigenen Aktivitäten mit Organisationen in der grössten Stadt Boliviens zu koordinieren. Aber auch das Freizeitangebot war wieder reichhaltig. Ein Ausflug in die Thermalbäder von Potosí war auch diesmal wieder einer der Höhepunkte.

 

Personell schliesslich hat sich auch etwas verändert: Die Sekretärin der Anlaufstelle, Celia Brito hat im vergangenen Oktober einen Sohn geboren und ist nun nach ihrem Mutterschaftsurlaub wieder zurück. Und seit ein paar Wochen absolviert Vanesa ihr Studienpraktikum in der Anlaufstelle Sinp’arispa.

 

 

  Sehr erfreut sind wir auch über die immer intensivere Zusammenarbeit mit lokalen und staatlichen Institutionen. Diese trat insbesondere bei den Feierlichkeiten am nationalen Tag der Dienstmädchen hervor, wie der folgende Bericht zeigt.
 Text: Maria und Rafael Moser
 Fotos: Sinp’arispa Bolivien
 
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