Familienalltag

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Bestimmt seid ihr, unsere Freunde und Bekannten und vielleicht auch uns persönlich unbekannte Freunde des Projekts „Anlaufstelle für Dienstmädchen“, froh zu hören, dass es bei uns rund läuft. Die Schiffsreise zieht sich etwas in die Länge, bedingt durch die Tage vor Anker, und findet auf relativ unruhiger See statt, besonders in der Gegend um den Äquator, die sonst windarm ist. Schade, weil wir dadurch weniger an Bord sein können und bisher selten nur Delphine, einmal ein Albatrospaar, aber immerhin auch einen Wal gesehen haben – allerdings nicht alle von uns.

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Auch unterwegs wird der Familienalltag von Kleinigkeiten wie Zähneputzen, Wörter nachschlagen, Instrumente üben oder Fussballspielen geprägt. Ein bisschen eigenartig mögen die Umstände dabei zuweilen schon mal sein. Viel Kraft beansprucht auch der Schulunterricht der Buben, was durch Tischtennis-Spielen wieder ausgeglichen wird. Dazu kommt das Verfassen der Berichte. Ersehnt und spannend sind natürlich die Landgänge in den vielen verschiedenen Ländern, nicht nur, weil an diesen Tagen der Unterricht ausfällt...

Die Wochen des Miteinanders lassen nun zwischen all den Leuten an Bord doch eine Beziehung entstehen, die im Alltag nicht immer deutlich ist, sehen sich doch einzelne Matrosen manchmal eine ganze Woche lang nicht. Die Grillparty an Deck nach der Überquerung des Äquators hat spürbar gemacht, dass wir alle mit einem gemeinsamen Ziel im selben Boot sitzen. Wir haben unseren Augen nicht getraut, als das Schiff komplett vom Kurs abdrehte. Der Steuermann sorgte erfolgreich dafür, die schweren Regenwolken zu umschiffen, damit alle anderen Leute an Bord die Leckerbissen auf einen trockenen Grill legen konnten. Leider hat der starke Wind keine anhaltende Gemütlichkeit aufkommen lassen – nicht nur der Salat flog uns vom Teller. Bald retteten sich alle ins Innere des Schiffs und zerstreuten sich sogleich. Gruppenräume gibt es nicht an Bord, alles ist funktional auf das Notwendigste konzentriert. Aber vor allem die Kinder sind etlichen Seeleuten und den anderen drei Passagieren allmählich ans Herz gewachsen. Sie sind selbst im Karaoke der philippinischen Matrosen gern gesehene Gäste, die auch mal mitsingen dürfen.

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Der Eindruck des Atlantiks ist gewaltig. Seine Dimension ruft uns in Erinnerung, dass die Erde doch kein „global village“ ist, wie wir gerne glauben gemacht werden. Tagelang sehen wir nichts als Himmel und Meer, kein Schiff und kein Zeugnis menschlichen Gestaltungsdrangs weit und breit. Satelliten und Kommunikationsverbindungen erscheinen vor der Grösse dieses Ozeans oberflächlich. Der ursprünglichste Anblick unseres Planeten ist bewegend. Das Wasser prägt den Tag. Dabei haben wir noch nicht einmal die Hand ins Meer tauchen können – Hafenanlagen sind dazu ungeeignet - und in Argentinien wird der Herbst zum Baden schon zu fortgeschritten sein. Die Gischt auf der Haut, der Anblick der Wellen in allen Ausprägungen und Farben entschädigen uns aber, das Erleben eines atlantischen Gewitters um den Äquator, Regenwasser, das sich auf Deck anstaut und hin und herschwappt. Vier lachende Kinder, barfuss knöcheltief im tropisch warmen Regenwasser, die Sonne bricht durch die Wolken, das Schiff zieht seine Spur...

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