Abschied (16.06.08)

zurück   drucken  

mauerbild.jpgAm verganenen Wochenende galt es für uns, von Sinp’arispa Abschied zu nehmen. Ein Abschied, der uns allen nicht leicht fiel, nahm damit doch ein wertvoller und lehrreicher Abschnitt unseres Leben sein Ende. Andererseits freuen wir uns auch wieder auf die Schweiz und all unsere lieben Freunde, die uns jenseits des Atlantiks erwarten. Aber vor allem sind wir froh, ein gut angelaufenes Projekt zu hinterlassen, das unser ganzes Vertrauen für einen reichen Fortgang hat.

2.fensterausblick.jpgWie man hier aus dem Fenster der kleinen Mietwohnung im ersten Stock von Sinp’arispa gern auf die Kolonialkapelle blickt, so blicken wir gern auf die Anlaufstelle zurück und stellen uns vor, wie sie sich entwickeln kann. Die Schritte, die bis heute schon getan sind stimmen uns sehr zuversichtlich: Die Anlaufstelle ist in vollem Umfang funktionsfähig und verfügt über ein breites und ausreichendes Mass an Erfahrung, die es dem lokalen Personal ermöglicht, im ähnlichen Stil weiterzuarbeiten. Sinp’arispa ist heute bereits eine ganzheitliche Anlaufstelle, bei der die Verbesserung der Lebenqualität jeder einzelnen Hausangestellten entsprechend ihrer persönlichen Lebenssituation immer zuvorderst steht. Vielen jungen Frauen konnte schon geholfen warden und es geht weiter. Das freut uns riesig. Und Die Stiftung Sinp’arispa ist nun auch eine vom Staat anerkannte Institution.

flechtend.jpgDie Koordination der Arbeit von Sinp’arispa mit kirchlichen Institutionen unter dem Dach des Bistums ist heute ausgebaut und ein weiterer Garant für ein nachhaltiges und effizientes Funktionieren der Anlaufstelle. Die Grundlagen für die Arbeit der Anlaufstelle sind heute also geflochten. Nun gilt es, die Wirkung auszubauen, damit immer mehr Frauen geholfen werden kann. Und das ist Elizabeths vorderstes Anliegen neben der Begleitung und Beratung der bereits vorhandenen Dienstmädchen.

Der Bau der Räumlichkeiten der Anlaufstelle ist zum heutigen Zeitpunkt abgeschlossen. Sinp’arispa ist eine wunderschöne kleine Oase im Zentrum der Stadt geworden. Elizabeth und ihre Familie fühlen sich wohl in ihrer neuen Wohnung. Und so ist in Sinp'arispa seit Ende April auch immer jemand da, der in Notfällen helfen kann. In Zukunft kann nun ausserdem durch das Vorhandensein des von der Notschlafstelle räumlich getrennten Büros nun auch im grösseren Stil und leichter gearbeitet werden. Nicht nur das Problem der Sicherheit des Arbeitsmaterials fällt dadurch weg, sondern das Büro ist auch näher an den Leuten, ist es doch von der Strasse direkt zugänglich.

Das Zimmer im oberen Stock mit dem wunderschönen Ausblick neben dem Büro der Anlaufstelle ist an eine treue und verbindliche Besucherin der Anlaufstelle und zugleich langjährige Bekannte der Leiterin – und früher bereits Zimmergenossin – vermietet worden. Doris wird es in den nächsten Tagen zusammen mit ihrer 12-jährigen Nichte beziehen und sich als Gegenleistung zum äusserst günstigen Mietzins an den Wochenenden in der Anlaufstelle mitgengagieren und die Anlaufstelle bei längeren Abwesenheiten der Familie García-Montero hüten. Der kleine monatliche Mietzins bildet andererseits einen Zustupf für die Freizeitaktivitäten der Anlaufstelle.

abschiedsessen.jpg

Die Abschiedsmomente in der letzten Woche waren bewegend. Doris und ihre Schwestern luden uns am Mittwoch in ihren kleinen Mittagstisch zum Essen ein und eine besonders nette Frau der Gewerkschaft, Doña Bartolina, am Donnerstag zu sich nach Hause. Das will hier in Bolivien schon etwas heissen. Am Wochenenden kamen die meisten der Frauen, denen wir geholfen haben oder die ihre Freizeit gern in der Anlaufstelle verbringen, aber auch viele Frauen der Gewerkschaft in Sinp’arispa vorbei, um uns zu verabschieden und beteuerten alle, wie sehr wir ihnen fehlen werden. Elizabeth und Doña Margarita kochten für uns als Überraschung ausserdem am Samstag ein wundervolles Festessen und luden dazu die Frauen und auch die Leute vom Aufsichtsrat mit ihren Familien ein. Es war eine wunderschöne Stimmung, mit Gesprächen und Tanz und dem Anhoeren des Sinp’arispa-Liedentwurfs. Schliesslich sahen wir uns noch gemeinsam den cubanischen Film “Lista de espera” an, der von einem Busbahnhof und dem Versuch einer Busreise handelt...

sinp_arispa-familie.jpg

Am Sonntagabend kam es am realen Busbahnhof von Sucre zu vielen glücklichen Umarmungen, aber auch Abschiedstränen, und die ganze Gruppe, die uns dort eigens noch einmal verabschiedete stand schliesslich vor dem Tor am Strassenrand, winkte und rief, als der Bus schon am Fahren war. Wie sie da alle vereint und verbunden noch einmal ganz unerwartet in der Nacht standen, werde ich wohl nie vergessen!

Der Bus hat uns auf eine lange Reise gebracht. Von La Paz geht sie erst mal nach Puno und Cuzco weiter. Wir freuen uns aber auch, euch trotzdem schon recht bald wieder zu sehen. Bestimmt ist das Info-Fest, das der Vorstand des Trägervereins am 14. September im Burestübli in Reigoldswil plant, eine gute Gelegenheit dafür!

 
zurück   drucken